Zeitpunkt der Vorhersage: 2012-01-04 / 2012-01-18

Die Sueddeutsche und andere zitieren einen vom DWD, der es eigentlich besser wissen müsste, was die Haltbarkeit von Wetterprognosen angeht:

“Einen klassischen Hochwinter, so wie wir ihn kennen, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr nicht geben”, sagt der Agrarmeteorologe Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. Anstelle “knackiger Minustemperaturen und längerer Schneeperioden” seien in den kommenden Wochen milde Temperaturen über dem Gefrierpunkt sowie Regen zu erwarten.

Grund für diese Annahme ist für den Meteorologen das Wetter der vergangenen Tage. “In der Regel ist der Jahresbeginn wegweisend für den weiteren Verlauf des Winters. Wenn in der ersten Januarhälfte kein Winter herrscht, war es das für den Rest”, sagt Böttcher.

(sueddeutsche.de: Der Winter fällt aus)

Zwei Wochen später weiß Spiegel Online von Wissenschaftlern zu berichten, die Bauernregeln untermauern können:

Doch nun wagen die Klimaforscher Hans Graf von der University of Cambridge und Davide Zanchettin vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg den Tabubruch: Ihre Studie erlaubt erstmals Wetterprognosen für Mitteleuropa für den gesamten Winter. Sie haben eine Faustregel aufgestellt, mit der sich Monate im Voraus prognostizieren lässt, ob der Winter kalt oder mild wird.
(…)
Für den aktuellen Winter scheinen die Forscher recht zu behalten: “Nach einer massiven Abkühlung sieht es derzeit nicht aus”, sagt Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. Nach ein paar Kältetagen hin und wieder dürften bald wieder milde Westwinde die Oberhand gewinnen – schließlich hat die pazifische Wetterküche den europäischen Winter dieses Jahr auf “mild” programmiert.

(Spiegel Online: Einfache Regel erlaubt Winterprognose)

Wieviele scheißkalte Tagen brauchen wir für den FAIL-Stempel?

Seriösere Prognosen sehen übrigens so aus:

Im Feber liegt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen bei rund 50% und bestätigt somit den Trend der letzten Saisonprognose. In zumindest 3 von 10 Fällen ist aber auch mit unterdurchschnittlichen Temperaturen zu rechnen. Dieses Szenario ist dann zu erwarten, falls Österreich in den Einflussbereich eines Hochdruckgebietes über Nordosteuropa gelangt, welches sich Ende Jänner 2012 dort aufbaut und kalte Luft in den Alpenraum transportieren könnte. Die restlichen etwa 20% entfallen auf den Durchschnitt entsprechende Temperaturen.

(ZAMG: Saisonprognose Feber 2011 bis April 2012)

Genau dafür hat man Wahrscheinlichkeiten erfunden, um die Ungewissheiten in einer Prognose auszudrücken. Seriöse Vorhersagen bzw. seriöse Berichte über Vorhersagen erkennt man folglich daran, dass sie dieses Mittel auch benutzen und das gesamte Spektrum möglicher Zukünfte betrachten. Weniger seriöse Prognosen stützen sich auch auf Wahrscheinlichkeiten, benutzen sie aber als Grundlage einer Glücksspielstrategie: vorhergesagt wird, was die höchste Wahrscheinlichkeit hat. Wenn’s klappt, ist man der King.

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